Geschichtsprojekttag Jahrgang 9


Mahnmal oder Denkmal?

Diese Problemfrage wurde in diesem Schuljahr im Rahmen des Geschichtsprojektages am 09.11.2017, während der angeregten Debatte zu den verschiedenen Stellungnahmen zu der umstrittenen Bedeutung des Gefallen-Denkmals diskutiert.

Zum zweiten Mal in Folge fand für den Jahrgang 9 der Projekttag zu unserem Gefallenen-Denkmal im Paul - Raabe - Saal statt.

Der Inhalt der Projektarbeit umfasste abermals die Recherche, Stellungnahme und eine kreative und selbstständige Arbeitsphase, sowie die anschließende Präsentation der erarbeiteten Plakate in Form einer Podiumsdiskussion. Bei dieser war auch Herr Prof. Dr. Müller-Bahlke anwesend. Dieser leitete die Diskussion mit der Anfangsthese ein, dass während der Zeit der Sanierungsarbeiten der Gedanke aufkam, das Denkmal nicht der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Er begründete dies anhand der nationalistischen, kriegsorientierten Erziehungsansätze, welche innerhalb des Kollegiums der ehemaligen Oberrealschule nachweisbar sind. Das anwesende Schülerpublikum reagierte darauf mit Unverständnis und hob in äußert differenzierten Redebeiträgen die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit dem Denkmal hervor. Hier bestand Konsens.

Ein Dissens entwickelte sich in der Namensfindung für das Denkmal. Eine Fraktion plädierte für die Beibehaltung der gegenwärtigen Bezeichnung als Gefallenendenkmal und eine andere für die Umbenennung zum Mahnmal der Erinnerung an die Toten des Ersten Weltkrieges.

Die nachfolgende Feedbackrunde ergab in der Auswertung die weitgehend einhellige Bewertung der Veranstaltung als wertvoll und notwendig für die nächste Jahrgangsstufe 9. Kritik gab es lediglich an der zu knappen Zeit der Bearbeitung, aber dies werden wir in der Planung des kommenden Projekttages berücksichtigen.

Insgesamt wird der Projekttag von allen Beteiligten als wertvoller Beitrag zum kollektiven Gedächtnis der Schule verstanden.
Einige Impressionen zum Ablauf und die besten vier Plakate finden sich in den Bildern wieder.
M. Kirzeder (FBL Geschichte)

Arbeit in den Klassen


Präsentation und Podiumsdiskussion


Ergebnisse
(im pdf-Format )


Der Projekttag zum Gefallenendenkmal am 09.11.2016
Eine notwendige Investition in das kollektive Gedächtnis unserer Schulgemeinschaft

Für den Jahrgang 9 unsere Schule wurde im Schuljahr 2016/2017 erstmalig ein Projekttag zum Gefallenendenkmal im Rahmen des Geschichtsunterrichtes durchgeführt.
Planung Projekttag als pdf-Dokument

Der Projekttag begann mit einem aktuellen Text der AfD- Abgeordneten Frauke Petry (MdB) über den Begriff des "Völkischen". Mit dieser Sichtweise und derartigen nationalen Ansichten hatten wir uns bis dahin nicht intensiv auseinandergesetzt. Doch schon nach einer kurzen Diskussion war unser Interesse an der weiteren Arbeit geweckt.
Nachdem wir das auf den ersten Blick umfangreiche Material zum Denkmal bekommen hatten, verschafften wir uns einen Überblick und begannen uns alle mit der Rede zur Einweihung des Gefallenendenkmals, welche sowohl interessant als auch lehrreich wirkte, zu beschäftigen. Dieser Eindruck bestätigte sich, weil sie eine deutliche Position formuliert, die durch im Zeitzusammenhang nachvollziehbare Argumentationen unterstützt wurde.
Im Anschluss vertiefte sich jedes Gruppenmitglied in einen anderen Materialteil. Gemeinsam diskutierten wir über die in einer Zeitstunde erworbenen Erkenntnisse und stellten für uns wichtige Fakten zusammen. Schon da saß uns die Zeit kräftig im Nacken, denn als nächstes stand uns noch die Plakatgestaltung bevor. Die Aufgabenstellung dafür lautete: "Formuliert und gestaltet in den einzelnen Gruppen eine begründete Auseinandersetzung und Positionierung zu dem Gefallenendenkmal in der Aula." Dies war für die eigene Meinungsbildung, aber auch für die Gruppe insgesamt der wichtigste Teil.
Eine Erweiterung des Meinungsbildes fand mit der anschließenden Präsentation und Bewertung aller erarbeiteten Plakate statt. Es stellte sich mit Hilfe von drei grünen Punkten, die jeder Schüler als Mittel zur Bewertung erhalten hatte, eine Rangfolge heraus. Die fünf ranghöchsten Plakate wurden durch eine Präsentation in der Aula gewürdigt, dabei stellten Vertreter der Gruppe ihr Plakatkonzept und die Gruppenmeinung vor. Es entwickelte sich eine kontroverse und anregende Diskussion, an der sich alle Schüler des Jahrgangs beteiligen konnten.
Dieser Höhepunkt des Tages erreichte eine überraschende Dynamik und Ernsthaftigkeit. Überraschend, weil es keine Selbstverständlichkeit ist, dass sich Schülerinnen und Schüler so intensiv mit diesem Themenkomplex beschäftigen.
Die wichtigsten Resultate kann man den folgenden Beispielen (im pdf-Format hier) entnehmen.
Unsere Einschätzung des Projekttages
Dieser Tag war für uns Schüler sehr nützlich und meinungsbildend, da uns ermöglicht wurde das Gefallenendenkmal im Paul-Raabe-Saal kennenzulernen und besser beurteilen zu können. Es wäre allerdings sinnvoll den Zeitrahmen zu erweitern, da viele Aspekte leider nur flüchtig betrachtet werden konnten. Die Erarbeitung einer eigenen Meinung zum Gefallenendenkmal erscheint uns für alle Jahrgänge, aber mindestens für den Jahrgang 9 als notwendig.
Karina und Pauline, Klasse 9/4, AG-Gefallenendenkmal

Einige Anmerkungen zu den Ergebnissen
Die Meinungen zu dem Gefallenendenkmal sind ersichtlich unterschiedlich ausgefallen, was folgende Zitate belegen:
"Die Verstorbenen werden als Helden bezeichnet, denen man Respekt für ihre Taten für das Vaterland zu zollen hat."
"Das Denkmal erinnert an den Verlust menschlichen Lebens durch den Krieg und dient damit als Mahnung gegen den Krieg."
"Es mahnt vor Nationalismus und zeigt unser Glück solchen "Vaterlandswahn" nicht erleben zu müssen."
"Das Denkmal ist ein Mahnmal gegen den Missbrauch der Erinnerungskultur."
"Es könnte ein Anreiz zur Radikalisierung der Schüler werden, da es eine "völkische" Wirkung haben kann."
"Das Denkmal soll in der jetzigen Form erhalten bleiben und nicht durch radikale Gruppen zweckentfremdet werden."

Diese unterschiedlichen Meinungen können zu einer belebenden, sachorientierten Diskussion führen. Gerade der authentische Erinnerungsort Gefallenendenkmal ermöglicht uns damit einen Diskurs, welcher angesichts der aktuellen politischen Auseinandersetzungen über Geschichtskultur besonders notwendig erscheint. Hier lässt sich hervorragend untersuchen, mit welchen Mitteln und Zielen Geschichte zur Durchsetzung politischer Interessen herangezogen wird, aber auch die Bemühungen politisch-gesellschaftlicher Gruppen um eine bestimmte Sicht auf Geschichte lässt sich nachweisen und bewerten.
So betrachtet ist dieses Gefallenendenkmal im Paul-Raabe-Saal in seiner jetzigen Form ein Geschenk der Geschichte der Franckeschen Stiftungen an den Fachbereich Geschichte. Danke!
M. Kirzeder AG Gefallenendenkmal/ FBL Geschichte


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