Geschichtsprojekttag Jahrgang 9


Der Projekttag zum Gefallenendenkmal am 09.11.2016
Eine notwendige Investition in das kollektive Gedächtnis unserer Schulgemeinschaft

Für den Jahrgang 9 unsere Schule wurde im Schuljahr 2016/2017 erstmalig ein Projekttag zum Gefallenendenkmal im Rahmen des Geschichtsunterrichtes durchgeführt.
Planung Projekttag als pdf-Dokument

Der Projekttag begann mit einem aktuellen Text der AfD- Abgeordneten Frauke Petry (MdB) über den Begriff des "Völkischen". Mit dieser Sichtweise und derartigen nationalen Ansichten hatten wir uns bis dahin nicht intensiv auseinandergesetzt. Doch schon nach einer kurzen Diskussion war unser Interesse an der weiteren Arbeit geweckt.
Nachdem wir das auf den ersten Blick umfangreiche Material zum Denkmal bekommen hatten, verschafften wir uns einen Überblick und begannen uns alle mit der Rede zur Einweihung des Gefallenendenkmals, welche sowohl interessant als auch lehrreich wirkte, zu beschäftigen. Dieser Eindruck bestätigte sich, weil sie eine deutliche Position formuliert, die durch im Zeitzusammenhang nachvollziehbare Argumentationen unterstützt wurde.
Im Anschluss vertiefte sich jedes Gruppenmitglied in einen anderen Materialteil. Gemeinsam diskutierten wir über die in einer Zeitstunde erworbenen Erkenntnisse und stellten für uns wichtige Fakten zusammen. Schon da saß uns die Zeit kräftig im Nacken, denn als nächstes stand uns noch die Plakatgestaltung bevor. Die Aufgabenstellung dafür lautete: "Formuliert und gestaltet in den einzelnen Gruppen eine begründete Auseinandersetzung und Positionierung zu dem Gefallenendenkmal in der Aula." Dies war für die eigene Meinungsbildung, aber auch für die Gruppe insgesamt der wichtigste Teil.
Eine Erweiterung des Meinungsbildes fand mit der anschließenden Präsentation und Bewertung aller erarbeiteten Plakate statt. Es stellte sich mit Hilfe von drei grünen Punkten, die jeder Schüler als Mittel zur Bewertung erhalten hatte, eine Rangfolge heraus. Die fünf ranghöchsten Plakate wurden durch eine Präsentation in der Aula gewürdigt, dabei stellten Vertreter der Gruppe ihr Plakatkonzept und die Gruppenmeinung vor. Es entwickelte sich eine kontroverse und anregende Diskussion, an der sich alle Schüler des Jahrgangs beteiligen konnten.
Dieser Höhepunkt des Tages erreichte eine überraschende Dynamik und Ernsthaftigkeit. Überraschend, weil es keine Selbstverständlichkeit ist, dass sich Schülerinnen und Schüler so intensiv mit diesem Themenkomplex beschäftigen.
Die wichtigsten Resultate kann man den folgenden Beispielen (im pdf-Format hier) entnehmen.
Unsere Einschätzung des Projekttages
Dieser Tag war für uns Schüler sehr nützlich und meinungsbildend, da uns ermöglicht wurde das Gefallenendenkmal im Paul-Raabe-Saal kennenzulernen und besser beurteilen zu können. Es wäre allerdings sinnvoll den Zeitrahmen zu erweitern, da viele Aspekte leider nur flüchtig betrachtet werden konnten. Die Erarbeitung einer eigenen Meinung zum Gefallenendenkmal erscheint uns für alle Jahrgänge, aber mindestens für den Jahrgang neun als notwendig.
Karina und Pauline, Klasse 9/4, AG-Gefallenendenkmal

Einige Anmerkungen zu den Ergebnissen
Die Meinungen zu dem Gefallenendenkmal sind ersichtlich unterschiedlich ausgefallen, was folgende Zitate belegen:
"Die Verstorbenen werden als Helden bezeichnet, denen man Respekt für ihre Taten für das Vaterland zu zollen hat."
"Das Denkmal erinnert an den Verlust menschlichen Lebens durch den Krieg und dient damit als Mahnung gegen den Krieg."
"Es mahnt vor Nationalismus und zeigt unser Glück solchen "Vaterlandswahn" nicht erleben zu müssen."
"Das Denkmal ist ein Mahnmal gegen den Missbrauch der Erinnerungskultur."
"Es könnte ein Anreiz zur Radikalisierung der Schüler werden, da es eine "völkische" Wirkung haben kann."
"Das Denkmal soll in der jetzigen Form erhalten bleiben und nicht durch radikale Gruppen zweckentfremdet werden."

Diese unterschiedlichen Meinungen können zu einer belebenden, sachorientierten Diskussion führen. Gerade der authentische Erinnerungsort Gefallenendenkmal ermöglicht uns damit einen Diskurs, welcher angesichts der aktuellen politischen Auseinandersetzungen über Geschichtskultur besonders notwendig erscheint. Hier lässt sich hervorragend untersuchen, mit welchen Mitteln und Zielen Geschichte zur Durchsetzung politischer Interessen herangezogen wird, aber auch die Bemühungen politisch-gesellschaftlicher Gruppen um eine bestimmte Sicht auf Geschichte lässt sich nachweisen und bewerten.
So betrachtet ist dieses Gefallenendenkmal im Paul-Raabe-Saal in seiner jetzigen Form ein Geschenk der Geschichte der Franckeschen Stiftungen an den Fachbereich Geschichte. Danke!
M. Kirzeder AG Gefallenendenkmal/ FBL Geschichte