Gastschülerinnen und ~schüler aus Japan


Seit 2008 bestehen zwischen der Stadt Inuyama und der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Halle-Saalekreis e.V. sowie der dortigen Japanisch-Deutschen Gesellschaft "Japanischer Rhein Inuyama" partnerschaftliche Beziehungen.
Die Deutsch-Japanischen Gesellschaft Halle-Saalekreis e.V. organisiert seit mehreren Jahren für die Besten des in Inuyama ausgeschriebenen Aufsatzwettbewerbs zum Thema "Deutschland" eine Reise nach Deutschland. Die Jugendlichen werden u.a. in halleschen Gastfamilien betreut.

Yokoso! - so lautet das japanische Wort für "Willkommen"
In der Woche vom 16.10. bis 22.10.17 durften wir; Arne, Hannah, Marta und Elisabeth aus den Jahrgängen 9 und 10; vier japanische Gastschüler*innen aus der Stadt Inuyama aufnehmen sowie zwei weitere Begleiter der Schüler hier in Halle willkommen heißen.
Am Dienstagabend fand das erste Kennenlernen am Flughafen Leipzig/Halle statt, anschließend ist jeder mit seinem Gastschüler nach Hause gefahren, um einen ersten schönen Abend in der deutschen Familie zu verbringen.
Von da an haben wir viele unvergessliche Erfahrungen mit der japanischen Kultur genossen. Damit davon nichts in Vergessenheit gerät, hat jeder von uns einen kleinen Tagebucheintrag zu jeweils einem der Tage angefertigt:
Mittwoch, der 18. 10. 2017 - Hannah Saile 10/2
Mittwoch war erst einmal ausschlafen angesagt - zum Glück! Meine Austauschpartnerin Mari hatte ein ganz schönes Schlafdefizit nachzuholen. Verständlich - wem würde es bei acht Stunden Zeitverschiebung nicht so gehen? Wir waren also beide froh, etwas länger schlafen zu dürfen, um uns dann auf den Weg zum Hauptbahnhof zu machen. Von dort aus fuhren alle Teilnehmer*innen des Austauschs (inklusive Frau Kuschk) nach Leipzig. Die erste Station des kleinen Städtetrips war das Völkerschlachtdenkmal, wichtiges Monument der lokalen Geschichte und (vielleicht fast wichtiger) guter Aussichtspunkt mit weitläufigem Blick über Leipzig und Umgebung. Nachdem wir also ein Video über das Denkmal sahen, einen kleinen geschichtlichen Überblick von Frau Kuschk erhielten, uns alle 500 Stufen bis zur Spitze hinaufwagten und fleißig viele, viele Fotos und Selfies schossen, ging es dann auch schon weiter. Richtung Innenstadt, zur Thomaskirche. Eine kurze Besichtigung später, war auch schon Zeit für das Mittagessen im Restaurant "Zum Arabischen Coffee Baum". Die Speisenwahl gestaltete sich für unsere japanischen Gäste anfangs etwas schwierig. doch schlussendlich fanden alle etwas (Mari, Misaki und Akiho bestellten alle drei den typisch deutschen "Würstchenspieß"). Die restliche Zeit verbrachten wir in kleinen Gruppen in der Innenstadt, u. a. um Souvenirs zu kaufen. Zurück in Halle, überreichte Mari uns dann ihre unzähligen Gastgeschenke - die japanische "Geschenkekultur" ist nicht zu vergleichen mit der deutschen. So schenkte Mari meiner Familie zum japanisches Spielzeug, Süßigkeiten, Badesalz, japanische Nudeln und Tee.
Donnerstag, der 19.10.2017 - Arne Helzel 10/4
Der Donnerstag sollte für meinen Gastschüler Genya und mich einer der aufregendsten Tage unseres Austausches werden. Nach dem Unterricht habe ich Genya beim Mittagessen die deutsche Küche (Döner) näher gebracht und wir gingen in der Innenstadt Genyas Lieblingsbeschäftigung (Shoppen) nach. So nutzen wir unsere freie Zeit bis zum Empfang bei der Stadt, wo wir von Frau Dr. Marquardt empfangen wurden und sich die japanische Delegation offiziell der Stadt vorstellen konnte. Bei Kaffee und Kuchen hatten wir viel Spaß. Danach ging es aber für Genya und mich sofort weiter, weil wir noch zur Rugby AG wollten. Zwar kamen wir etwas verspätet, aber das änderte nichts daran, dass wir riesigen Spaß bei Spielen wie Rugbyfussball hatten. Ich kann sehr wohl sagen, dass er vom Rugbyfieber angesteckt wurde. Mit einem großen Lächeln gingen wir beide anschließend zum Gitarrenunterricht, wo Genya selbst (zum ersten Mal) Gitarre spielte!
Freitag, der 20.10.2017 - Elisabeth Saal 9/3
Als meine japanische Gastschülerin Misaki und ich uns am Freitagmorgen auf den Weg zur Schule machten, war sie schon ganz aufgeregt. Denn alle vier der japanischen Schüler*innen hatten im Vorfeld mit viel Ehrgeiz zwei Unterrichtsstunden für die Klasse 9/3 vorbereitet. Zuallererst stellten sie sich auf Deutsch vor und brachten uns durch Vorträge, unterstützt von PowerPoint- Präsentationen, Japan im Allgemeinen, die Kultur und das Schulsystem sowie ihre Heimatstadt Inuyama näher. Im Anschluss schauten wir ihnen gebannt zu, wie sie jeden unserer Namen in Kanji (eines der drei japanischen Alphabete) mithilfe von professionellen Pinseln feinsäuberlich und filigran auf hauchdünne Blätter Papier zeichneten. Die Kunst der Kalligraphie hatte Misaki mir schon zu Hause einmal gezeigt, doch ich war aufs Neue fasziniert.
Während ich mich anschließend wieder dem Unterricht zuwendete, erhielten unsere japanischen Gäste eine Führung durch die Franckeschen Stiftungen. Nachdem Misaki und ich am Nachmittag ausführlich shoppen gewesen waren, kamen meine Familie und ich zum Abendessen in einen ganz besonderen Genuss: Onigiri (Reisbällchen), Misosuppe und japanische Nudeln. Unter fachmännischer Anleitung Misakis bereiteten wir alle zusammen das tradtionell japanische Essen vor mit den Zutaten, die sie extra dafür aus Japan mitgebracht hatte. Nun endete dieser ereignisreiche Tag mit: "Itadakimasu!"- Guten Appetit!
Samstag, 21.10.2017 - Marta Imke 10/3
Am Dienstag ankommen, am Mittwoch nach Leipzig, am Donnerstag nach Halle, am Freitag in die Schule, am Sonntag weiter. Was fehlt? Der Samstag. Am Samstag stand etwas ganz besonderes auf dem Plan. Nämlich gar nichts.
Am Samstag durften wir uns also aussuchen, wohin wir gingen. Eine schwere Frage, immerhin hatten wir ja schon alle großen Städte besucht (Halle und Leipzig). Zur Auswahl stand natürlich Freiburg, aber noch so eine riesige Stadt, wem kann man das schon zumuten? Eine kleinere Stadt, zum Entspannen, das war genau das richtige. Und was gibt es da schon Besseres als Berlin, zum Entspannen und Ausruhen? Wahrscheinlich hätten wir uns in diesem Städtchen noch gelangweilt, so viel gibt es dort ja nicht zu sehen - aber glücklicherweise wusste Akiho, unsere Gastschülerin, genau, ganz genau, wohin sie alles gehen wollte. Und das hieß erst einmal: Einkaufen. Und zwar alles Mögliche: Souvenirs natürlich, Handyhüllen, einen Starbucks-Kaffee, geschlagene einhundert kleine Merci-Stückchen und ebenso viele Probierpackungen von Rittersport, dazu unglaublich viele Gummibärchen und drei ganze Baumkuchen (so viel isst der Durchschnittsbürger vermutlich in seinem ganzen Leben nicht). Und natürlich eine Tasche. Eine wirklich große (und wirklich schwere) Tasche. Denn wohin soll das alles auch passen? Aber, Achtung an jeden, der sich gerade wundert, wie ein kaum 1,60 m großes Mädchen so viel essen kann: Das alles waren nur Geschenke an ihre Freunde, Bekannte, Eltern, Geschwister, Großeltern. Nicht für sie selbst. Oder zumindest hat sie das so gesagt.
"Saionara" hieß es am Sonntag als wir uns voneinander am Hauptbahnhof Halle verabschieden mussten. Für unsere japanischen Gäste war der Aufenthalt in Deutschland noch nicht beendet- weiter ging es nach St. Goarshausen nach Rheinland-Pfalz. Dennoch war es ein sehr trauriger Abschied. Während dieser Woche haben wir unzählige tolle Momente erlebt, weltoffene, sehr zuvorkommende und herzliche Menschen sowie ein Stück einer vielfältigen, Kultur kennengelernt. Vielen Dank an Jaqueline Spisa und Herrn Natashima für die Begleitung der Jugendlichen beziehungsweise die Koordination der Reise.
Außerdem geht ein herzliches Dankeschön an Frau Kuschk sowie die Deutsch-japanische Gesellschaft Saalekreis/Halle e.V. für das jährliche Möglichmachen dieser wertvollen Begegnung.

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